Max Frischs Drama "Andorra" ist eine tiefgründige Parabel über Vorurteile, Identität und die verheerenden Folgen gesellschaftlicher Zuschreibungen. Die Handlung spielt in dem fiktiven Land Andorra, wo der Lehrer Can seinen vermeintlich adoptierten jüdischen Sohn Andri aufzieht. Andri wird von der Dorfgemeinschaft aufgrund seines angenommenen Glaubens mit Argwohn und Diskriminierung begegnet, was seine Persönlichkeit und sein Selbstbild nachhaltig prägt. Als sich herausstellt, dass Andri Cans leiblicher Sohn ist, der aus einer Affäre mit einer "Schwarzen" Frau stammt, die von den Andorranern fälschlicherweise als Jüdin interpretiert wird, ändert dies nichts an der bereits festgefahrenen Stigmatisierung. Die Tragödie spitzt sich zu, als Andri einem Verbrechen zum Opfer fällt, für das er aufgrund der Vorurteile der Gemeinschaft verurteilt wird. Das Stück zeigt auf erschütternde Weise, wie sich Fremdenhass und kollektive Schuld in einer Gesellschaft festsetzen und zu einer tödlichen Spirale der Intoleranz führen können, die am Ende niemand verantworten will.
Critical Reception
"Max Frischs "Andorra" ist ein unverzichtbarer Klassiker der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, der bis heute für seine prägnante Analyse von Vorurteilen, Identität und kollektiver Schuld geschätzt wird und zum Pflichtstoff an Schulen zählt."
Adaptations
Es gibt eine Fernsehverfilmung aus dem Jahr 1964 und mehrere Hörspieladaptionen.