Bei seiner Einreise in die Schweiz wird ein Mann, der sich Mister White nennt, verhaftet. Die Polizei ist überzeugt, in ihm den seit sieben Jahren verschwundenen Zürcher Bildhauer Anatol Ludwig Stiller zu erkennen. Trotz eindeutiger Identifizierungen durch frühere Freunde, Bekannte und sogar seine eigene Frau, weigert sich der Verhaftete vehement, diese Zuschreibung anzuerkennen. In seinen während der Untersuchungshaft verfassten Aufzeichnungen und Gerichtsprotokollen verteidigt er eine völlig andere Lebensgeschichte und insistiert immer wieder: „Ich bin nicht Stiller!“ Max Frisch entfaltet in diesem Jahrhundertroman ein packendes psychologisches Drama um die fundamentalen Fragen der Identität, der Selbstfindung und der Akzeptanz der eigenen Vergangenheit. Der Autor beleuchtet virtuos die Schwierigkeit, sich der Definition durch andere zu entziehen und die eigene Wahrheit zu leben. Es ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Illusion der Selbstbestimmung, der Last der Erinnerung und der Rolle von Liebe und Schuld bei der Konstruktion einer Persönlichkeit. Frischs "Stiller" ist eine zeitlose Erkundung des menschlichen Bedürfnisses nach Authentizität und der existentiellen Angst vor dem Verlust des Ichs, die den Leser dazu anregt, die vielschichtigen Ebenen von Wahrheit und Täuschung in der eigenen Existenz zu hinterfragen.
Critical Reception
""Stiller" gilt als einer der wichtigsten und tiefgründigsten Romane der Nachkriegsliteratur im deutschsprachigen Raum und hat Max Frisch als einen der bedeutendsten Denker seiner Zeit etabliert."
Adaptations
Der Roman wurde 1975 unter dem gleichen Titel als deutscher Fernsehfilm adaptiert.