„Der Untergeher“ ist ein intensiver und virtuos komponierter Monolog, der die tragische Geschichte des Musikers Wertheimer erzählt, dessen Leben im Schatten des überragenden Klaviergenies Glenn Gould zerbricht. Zusammen mit dem namenlosen Erzähler studierten sie einst am Mozarteum in Salzburg, doch Goulds unerreichbare Perfektion und Brillanz offenbart Wertheimer seine eigene musikalische Mediokrität. Anstatt sich dem Kampf zu stellen, kapituliert Wertheimer vor Goulds Größe und verdammt sich selbst zum „Untergehen“: Er gibt seine Klavierkarriere auf und stürzt sich in ein philosophisches Studium, das jedoch ebenfalls fruchtlos bleibt und ihn in Isolation und Verzweiflung führt. Der Erzähler, ein weiterer „Gescheiterter“, reflektiert in seinem unerbittlichen inneren Monolog über Wertheimers selbstgewählte Zerstörung, die Freundschaft zu Gould und die zerstörerische Kraft des Genies auf jene, die ihm nicht gewachsen sind. Bernhard seziert meisterhaft Themen wie Obsession, Eifersucht, künstlerische Selbstaufgabe und die psychologischen Abgründe, die sich öffnen, wenn das eigene Talent dem unerreichbaren Standard eines anderen gegenübersteht. Ein zutiefst pessimistisches, aber stilistisch brillantes Werk über das Scheitern als Lebensentwurf.
Critical Reception
"Als eines der zentralen Werke Thomas Bernhards gilt „Der Untergeher“ als brillante und beklemmende Studie über das Scheitern im Schatten des Genies und hat seinen festen Platz in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts."