„Radetzkymarsch“ von Joseph Roth ist ein ergreifendes Panorama des Untergangs der Habsburgermonarchie, gespiegelt in der Geschichte der Familie Trotta über drei Generationen. Die Erzählung beginnt mit dem slowenischen Leutnant Joseph Trotta, der in der Schlacht von Solferino das Leben des Kaisers rettet und dafür in den Adelsstand erhoben wird – ein Akt, der den Beginn des Aufstiegs und gleichzeitig die Tragik seiner Nachkommen markiert. Sein Sohn, Franz von Trotta, ein pflichtbewusster, aber glückloser Bezirkshauptmann, verkörpert die zunehmende Erstarrung des Reiches. Im Mittelpunkt steht jedoch der Enkel Carl Joseph von Trotta, ein melancholischer Kavallerieoffizier, der verzweifelt nach Sinn und Identität in einer Welt sucht, die unwiderruflich dem Ende entgegengeht. Er erlebt die letzten Zuckungen einer überlebten Epoche, gefangen zwischen familiären Erwartungen und persönlicher Entfremdung. Der namensgebende „Radetzkymarsch“ von Johann Strauss fungiert dabei als melancholisches Leitmotiv, das sowohl die glorreiche Vergangenheit als auch den unausweichlichen Zerfall heraufbeschwört. Roth zeichnet mit poetischer Sprache und tiefem Verständnis für seine Charaktere ein Bild von Loyalität, Enttäuschung und dem tragischen Schicksal eines ganzen Zeitalters. Der Roman ist ein Meisterwerk der deutschen Literatur, das den Verfall der Monarchie als universelles menschliches Drama erfahrbar macht.
Critical Reception
"Dieses epochale Werk zählt zu den bedeutendsten Romanen der deutschen Sprache und gilt als unverzichtbare Chronik des Untergangs der Donaumonarchie."
Adaptations
Der Roman wurde mehrfach adaptiert, darunter als Fernsehfilm im Jahr 1965 und als aufwendige deutsch-österreichische Miniserie im Jahr 1994.