Franz Ferdinand Trotta, ein Spross der ursprünglich slowenischen, später kaiserlich geadelten Familie Trotta, manövriert in den letzten Zügen der k.u.k. Monarchie durch die Wiener Gesellschaft. Während sein Großonkel als Retter des Kaisers bei Solferino gefeiert wird, hat sein eigener Vater als Chemiker und Verleger einst kritische Stimmen gegen das Kaiserreich erhoben. Franz Ferdinand selbst, ein scheinbar bürgerlicher Herr in adligen Kreisen, ringt mit seiner Identität, gefangen zwischen der glorreichen, doch schwindenden Vergangenheit seiner Familie und der bedrohlichen Gegenwart, die in den Ersten Weltkrieg mündet. Joseph Roth zeichnet in dieser tief melancholischen Novelle das Bild eines Individuums und einer ganzen Epoche im Zustand des Verfalls. Die Suche nach Halt in einer zerfallenden Welt und die Erkenntnis, dass selbst die letzte Ruhestätte der Habsburger, die Kapuzinergruft, nur noch eine Erinnerung an eine unwiederbringliche Zeit ist, prägen diese eindringliche Erzählung vom Ende einer Ära und dem Verlust alter Werte.
Critical Reception
"„Die Kapuzinergruft“ gilt als eine der eindringlichsten literarischen Elegien auf den Untergang der k.u.k. Monarchie und festigte Joseph Roths Ruf als meisterhafter Chronist der Donaumonarchie."