Joseph Roth (geboren am 2. September 1894 in Brody, Galizien, damals Österreich-Ungarn; gestorben am 27. Mai 1939 in Paris, Frankreich) war ein bedeutender österreichischer Schriftsteller und Journalist. Aus einer jüdischen Familie stammend, prägte ihn die Erfahrung des Ersten Weltkriegs und der Zerfall der k.u.k. Monarchie tief. Diese Erfahrungen formten seine melancholische Weltanschauung und seine Sehnsucht nach einer verlorenen Ordnung. Nach Kriegsende arbeitete er zunächst als Journalist für renommierte Zeitungen in Wien, Berlin und Frankfurt, wo er sich einen Namen als scharfsinniger Beobachter seiner Zeit machte. Ab 1925 widmete er sich zunehmend der Literatur und veröffentlichte zahlreiche Romane und Erzählungen. Als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus musste er 1933 ins Exil nach Paris gehen, wo er bis zu seinem Tod unter prekären Bedingungen lebte. Roths Werk ist stark von Melancholie und Nostalgie für die untergegangene Welt der Donaumonarchie geprägt und reflektiert oft die Zerrissenheit der Exilanten. Er litt zeitlebens unter finanziellen Schwierigkeiten und Alkoholismus, was seine letzten Jahre überschattete. Seine bekanntesten Werke, darunter "Hiob", "Radetzkymarsch" und "Die Kapuzinergruft", sind Meisterwerke der deutschsprachigen Literatur, die die Identitätssuche, den Verlust von Heimat und den Verfall einer Epoche meisterhaft thematisieren.
«Man muss das Leben so leben, dass man es nicht bereut, es gelebt zu haben.»
«Der Mensch ist zur Flucht geboren, zur Flucht vor sich selbst.»
«Die Welt hat ein Gedächtnis, aber die Menschen haben keines.»
Roths Schreibstil zeichnet sich durch eine elegische, melancholische und zutiefst nostalgische Tonlage aus. Seine Prosa ist präzise, klar und dennoch von poetischer Schönheit. Er verstand es, eine fast filmische Detailgenauigkeit mit einer tiefen psychologischen Einsicht in seine Charaktere zu verbinden. Ironie und Understatement sind häufige Stilmittel, die er nutzte, um die Tragik des menschlichen Daseins und den Untergang einer Epoche zu spiegeln. Er schrieb oft in einer klaren, objektiven, fast journalistischen Sprache, die jedoch eine große emotionale Tiefe transportierte.