Helmut Halm, ein 46-jähriger Studienrat aus Stuttgart, und seine Frau Sabine verbringen ihren Urlaub am Bodensee. Ihre Ruhe wird jäh gestört, als sie auf Klaus Buch treffen, Helmuts ehemaligen Studienkollegen, und dessen deutlich jüngere Frau Helene. Klaus, erfolgreich und jugendlich, verkörpert all das, was Helmut insgeheim verabscheut, aber gesellschaftlich fürchten. Während Helmut unter seiner Lethargie leidet und sich den Anforderungen der Leistungsgesellschaft überfordert fühlt, wird Klaus zum Inbegriff der Bedrohung. Die anfängliche, oberflächliche Freundlichkeit weicht einer brodelnden Rivalität, die durch die gegenseitige Anziehung der Ehepartner zusätzlich angeheizt wird: Sabine fühlt sich zu Klaus hingezogen, Helmut zu Helene. Die psychologischen Spannungen eskalieren dramatisch auf einer Segeltour, als Helmut Klaus über Bord stößt. Klaus wird für tot gehalten, doch Helene enthüllt seine wahre, desolate Existenz. Der totgeglaubte Klaus kehrt unerwartet zurück und verlässt mit seiner Frau wortlos die Halms, die mit den Trümmern ihrer eigenen Illusionen zurückbleiben. Die Novelle ist eine meisterhafte Studie über Männlichkeit, Schein und die Zerstörung bürgerlicher Fassaden.
Critical Reception
"Martin Walsers 'Ein fliehendes Pferd' gilt als eine der prägnantesten und stilistisch herausragendsten Novellen der deutschen Nachkriegsliteratur, die bis heute Relevanz besitzt."
Adaptations
1986 als deutscher Spielfilm unter der Regie von Peter Beauvais adaptiert.