In Miku Sophie Kühmels preisgekröntem Roman "Kintsugi" finden sich Reik und Max an einem eisigen Spätwinterwochenende in einem abgelegenen Haus am See ein, um ihre zwanzigjährige Liebe zu zelebrieren. Eingeladen sind lediglich ihr langjähriger Freund Tonio und dessen Tochter Pega, deren Alter exakt die Dauer der Beziehung des Paares widerspiegelt. Was als ruhiges Beisammensein geplant war, entpuppt sich schnell als vielschichtiges Beziehungsgeflecht, in dem unter der Oberfläche schwelende Konflikte, unausgesprochene Wahrheiten und die Last gemeinsamer Geschichte zum Vorschein kommen. Die vermeintliche Idylle am gefrorenen See weicht einer intensiven psychologischen Auseinandersetzung mit Liebe, Freundschaft, Alter und den Bruchstellen des Lebens. Kühmel seziert feinfühlig die Dynamiken dieser vier Menschen und ihre tiefsten Sehnsüchte, Ängste und Enttäuschungen. Der Titel "Kintsugi" verweist dabei auf die japanische Kunst, Zerbrochenes mit Gold zu reparieren, wodurch die Narben nicht versteckt, sondern als Zeugnis und Veredelung der Geschichte gefeiert werden. Der Roman lädt ein, die Schönheit im Unvollkommenen zu erkennen und sich der leisen, schwermütigen Melancholie des Weiterlebens hinzugeben.
Critical Reception
"Miku Sophie Kühmels "Kintsugi" etablierte sich als herausragendes Debüt und wurde für den Deutschen Buchpreis 2019 nominiert und mehrfach ausgezeichnet, was seinen Status als bedeutendes Werk der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur unterstreicht."