In den turbulenten Fleischbörsen und Schlachthöfen Chicagos, inmitten einer verheerenden Wirtschaftskrise, entfaltet Bertolt Brechts Drama "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" eine scharfe Analyse des Kapitalismus. Johanna Dark, eine idealistische Soldatin der Heilsarmee, wird Zeugin der brutalen Ausbeutung und des Elends der Arbeiter, die von den Fleischfabriken ausgesperrt sind und hungern. Ihr naiver Glaube an die Güte des Menschen führt sie zu Pierpont Mauler, dem skrupellosen "Fleischkönig", der die Märkte manipuliert und sein Vermögen auf Kosten anderer mehrt. Johanna versucht verzweifelt, die Arbeiter zu mobilisieren und Mauler zu einem sozialen Umdenken zu bewegen. Doch ihre Bemühungen scheitern an den undurchdringlichen Mechanismen des Systems und der Entsolidarisierung der Massen. Am Ende, von allen Seiten enttäuscht und verstoßen, geht Johanna in den Schlachthöfen zugrunde, doch ihr tragisches Schicksal dient als eine schonungslose Enthüllung der sozialen Ungerechtigkeiten und der menschlichen Kosten des ungezügelten Kapitalismus.
Critical Reception
"Das Stück gilt als eines der wichtigsten Werke Bertolt Brechts und ein exemplarisches Drama des epischen Theaters, das die Funktionsweise des Kapitalismus schonungslos seziert und bis heute seine Relevanz bewahrt hat."