Inmitten der chaotischen Wirren des georgischen Bürgerkriegs findet die junge Küchenmagd Grusche Vachnadze ein verlassenes Kind des getöteten Gouverneurs. Ohne zu zögern, nimmt sie den kleinen Michail an sich und flieht vor den blutigen Machtkämpfen, die ihr Land erschüttern. Ihre Flucht wird zu einer entbehrungsreichen Odyssee, auf der Grusche unzählige Opfer bringt, ihre eigene Sicherheit riskiert und sogar ihre Verlobung mit dem Soldaten Simon Chachava aufs Spiel setzt, um das Kind zu schützen und aufzuziehen. Als der Krieg endet und eine neue, brüchige Ordnung einkehrt, taucht Michails leibliche Mutter, die Gouverneurswitwe Natella, wieder auf. Getrieben von materiellen Interessen – das Kind ist der Erbe eines großen Vermögens – fordert sie ihren Sohn zurück. Der Fall landet vor dem exzentrischen und scheinbar korrupten Richter Azdak, einem trinkfreudigen Opportunisten, der auf seine eigene unkonventionelle Weise eine kurze, aber unerwartet gerechte Ära einläutet. Mit dem legendären Kreidekreis-Urteil muss Azdak entscheiden, wem das Kind wirklich gehört: der leiblichen Mutter oder jener Frau, die mit unendlicher Hingabe die wahre Mutterpflicht erfüllt hat. Brechts Parabel hinterfragt tiefgründig die Begriffe von Besitz, Gesetz und menschlicher Moral in Zeiten des Umbruchs.
Critical Reception
"Ein Meisterwerk des epischen Theaters, das als zeitlose Parabel über Gerechtigkeit, Mutterschaft und den Wert menschlicher Taten bis heute Studierende und Publikum weltweit fasziniert."
Adaptations
Es gab mehrere Fernseh-Verfilmungen, darunter eine westdeutsche Produktion von 1958 und eine weitere aus dem Jahr 1974 sowie eine ostdeutsche Fassung von 1968.