Lukas Bärfuss' Roman "Koala" beginnt mit dem erschütternden Suizid des Bruders des Erzählers. Fassungslos und auf der Suche nach Antworten, die über statistische Erklärungen hinausgehen, begibt sich der Protagonist auf eine tiefgründige Reise in die Vergangenheit und in das Leben seines Bruders. Die Fragen nach dem 'Warum' stoßen auf ein überwältigendes Schweigen und das tief sitzende Tabu, das den Freitod umgibt. Während die Welt um ihn herum nach Trost suchenden Erklärungen verlangt, findet der Erzähler nur ein unergründliches Geheimnis. Im Zentrum seiner Nachforschungen steht die Frage, warum sein Bruder von Freunden 'Koala' genannt wurde und ob dieser Name sein Schicksal beeinflusst haben könnte. Bärfuss verwebt diese persönliche Tragödie geschickt mit der Naturgeschichte der Koalas, die vom Aussterben bedroht sind, und reflektiert dabei die menschliche Gewalt gegen sich selbst, andere Spezies und die Natur. Der Roman ist eine philosophische Auseinandersetzung mit den Gründen, sich für das Leben zu entscheiden, selbst wenn ein 'gewöhnliches' Ende seinen Anfang in einem Selbstmord findet, der alles andere als gewöhnlich scheint. Er erforscht die Komplexität von Identität, Schicksal und dem Umgang des Menschen mit dem Tod.
Critical Reception
"Der Roman "Koala" gilt als eine zutiefst bewegende und philosophisch anspruchsvolle Auseinandersetzung mit den Tabus von Tod und Existenz, die weitreichende Debatten in der deutschsprachigen Literatur ausgelöst hat."