Metropol entführt die Leser ins Moskau des Jahres 1936, wo die deutsche Kommunistin Charlotte, auch bekannt als Lotte, den Fängen der Nationalsozialisten nur knapp entkommen ist. Mit ihrem Ehemann und der jungen Britin Jill begibt sie sich auf eine Reise durch die Sowjetunion, die anfänglich von den Widrigkeiten der sengenden Hitze und kargen Landschaften geprägt ist. Doch unter der Oberfläche brodelt eine tiefgreifende Spannung, die nicht nur die zwischenmenschlichen Beziehungen der Reisenden belastet, sondern auch die undurchsichtige Realität ihrer Mission widerspiegelt: Alle drei sind Mitarbeiter des Komintern-Nachrichtendienstes. Der Roman verdichtet sich dramatisch, als Lotte erkennen muss, dass einer der "Volksfeinde", die in den berüchtigten Moskauer Schauprozessen angeklagt werden, jemand ist, den sie nur allzu gut kennt. Eugen Ruge beleuchtet meisterhaft das schmale Band zwischen unerschütterlicher Überzeugung und grausamer Wahrheit, zwischen bedingungsloser Loyalität und erzwungenem Gehorsam, zwischen quälender Verdächtigung und dem drohenden Verrat. Er zeichnet ein erschütterndes Bild des politischen Terrors der 1930er Jahre und hinterfragt, wozu Menschen imstande sind zu glauben, selbst angesichts unwiderlegbarer Fakten. Die Geschichte, basierend auf den Erlebnissen seiner Großmutter Lotte Germaine, die im berühmten Hotel Metropol ihrem ungewissen Schicksal entgegenblickt, ist eine packende Erkundung menschlicher Moral und politischer Macht in einer Zeit des Umbruchs.
Critical Reception
"Als Fortsetzung des vielfach ausgezeichneten Werks des Autors bietet 'Metropol' eine tiefgründige und schonungslose Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen und sowjetischen Geschichte, die in der Literaturlandschaft einen festen Platz einnimmt."