Sibylle Lewitscharoffs Roman "Apostoloff" nimmt die Leserschaft mit auf eine außergewöhnliche Reise: Ein Konvoi schwarzer Limousinen durchquert Osteuropa, um die Särge verstorbener bulgarischer Exilanten in deren Heimat Sofia zu überführen. Begleitet wird dieser makabre Zug von der namenlosen Tochter eines der Toten, die sich auf einer unfreiwilligen Pilgerreise befindet. Während die Landschaft vorbeizieht, entfaltet sich in ihr ein vielschichtiger innerer Monolog – eine gnadenlose, oft sarkastische Abrechnung mit ihrem verstorbenen Vater, einem Mann, der ihr zeitlebens rätselhaft und fremd blieb. Doch inmitten des Grolls und der kritischen Reflexionen über seine bürgerliche Existenz, seine Schwächen und die komplizierte Familiengeschichte, ringt die Tochter auch mit ihrer eigenen Identität und dem Gefühl einer unvermeidlichen, wenn auch oft ungeliebten, Zugehörigkeit. Lewitscharoff verbindet in ihrem preisgekrönten Werk auf meisterhafte Weise Trauerarbeit, Familiendrama und die Suche nach Heimat mit einer einzigartigen Sprachgewalt und tiefgründigem Humor, der das Persönliche mit dem Politischen virtuos verknüpft.
Critical Reception
""Apostoloff" festigte Sibylle Lewitscharoffs Ruf als eine der originellsten und sprachgewaltigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und wurde mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet."