Im August, einem Monat, der traditionell unter dem Einfluss des Saturns steht, unternimmt W.G. Sebald eine Wanderung durch die melancholische Heidelandschaft der englischen Grafschaft Suffolk. Was zunächst wie ein einfacher Fußmarsch anmutet, entpuppt sich schnell als eine tiefgründige Meditation über Geschichte, Vergänglichkeit und die oft verborgenen Verbindungen zwischen Mensch und Natur. Sebald durchstreift verfallene Landschlösser, begegnet kauzigen Gutsbesitzern und stößt dabei immer wieder auf faszinierende Geschichten, die er meisterhaft mit seinen eigenen Beobachtungen verwebt. Er berichtet von den einstigen Glanzzeiten viktorianischer Residenzen, taucht ein in das bewegte Leben Joseph Conrads, erinnert an die unglaubliche Liebe des Vicomte de Chateaubriand oder verfolgt die Spuren des europäischen Seidenhandels bis nach China. Dabei protokolliert er mit seiner klaren und präzisen Sprache nicht nur die großen Erzählungen, sondern auch die stillen Katastrophen, die sich durch den gewaltsamen Eingriff des Menschen in diesen abgelegenen Landstrich ereignet haben. So wird der scheinbare Reisebericht zu einem allegorischen Gang durch eine umfassende Verfallsgeschichte von Kultur und Natur, ein melancholisches Zeugnis der Endlichkeit und des ewigen Kreislaufs des Werdens und Vergehens.
Critical Reception
"W.G. Sebalds 'Die Ringe des Saturn' gilt als wegweisendes Werk der modernen Literatur, das die Grenzen zwischen Fiktion, Sachbuch und Memoiren auf einzigartige Weise auflöst und die europäische Erzählkunst nachhaltig geprägt hat."