Judith Hermanns Erzählband "Lettipark" taucht tief in die menschliche Existenz ein und besticht durch den ihr eigenen, unverwechselbaren Ton sowie die Eleganz und Schönheit ihrer Sprache. In hochkonzentrierten und doch federleichten Geschichten beleuchtet Hermann die fragile Natur von Begegnungen und Beziehungen. Sie erforscht die Frage, wie nah wir uns sein können und wie schnell Nähe in Distanz umschlagen kann. Charaktere wie Kinder, Exzentriker oder ein Vater, der aus der Psychiatrie verschwindet, kreuzen die Lebenswege anderer und prägen sie – oft unbegreiflich und doch tiefgreifend. Ein Fotograf beobachtet seinen Adoptivsohn mit einer Mischung aus Interesse und Distanz, wie ein Motiv, während seine Frau diese Kälte spürt, die alles zu zerbrechen droht. Ein alter Mann erinnert sich an eine ferne Reise und eine Umarmung zum Abschied, die ihm bis heute nachhängt. Hermanns Figuren sind oft schutzlos, was ihre Begegnungen mit Geliebten und Fremden umso intensiver macht. Diese Momente geschehen beiläufig und unaufgeregt, entfalten jedoch unter der Oberfläche eine immense existentielle Wucht, die sich um Themen wie Einsamkeit, Wut und Sehnsucht dreht.
Critical Reception
"Das Buch festigt Judith Hermanns Ruf als Meisterin der deutschen Kurzgeschichte, deren prägnante und poetische Sprache die Feinheiten menschlicher Beziehungen und existentieller Erfahrungen meisterhaft einfängt."