Ingrid Noll, geboren 1935 in Shanghai, ist eine der bekanntesten deutschen Krimiautorinnen. Sie verbrachte ihre Kindheit in China und zog 1949 nach Deutschland, wo sie Medizin und Germanistik studierte, ihr Studium jedoch nicht abschloss. Bevor sie mit dem Schreiben begann, war sie Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Erst im Alter von 55 Jahren veröffentlichte sie 1991 ihren Debütroman "Der Hahn ist tot" und landete damit auf Anhieb einen Bestseller. Ihre Romane zeichnen sich oft durch unaufgeregte, scheinbar harmlose Protagonistinnen aus, die in alltäglichen Situationen zu Mörderinnen werden. Noll etablierte sich schnell als Meisterin des "sanften" oder "hausfraulichen" Kriminalromans, der mit feinem Humor und psychologischer Raffinesse die Abgründe der menschlichen Seele ausleuchtet. Ihre Werke wurden mehrfach verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt.
«Manchmal sind es die stillsten Winkel des Lebens, in denen die größten Abgründe lauern.»
«Ein kleines Vergehen hier, eine kleine Notlüge dort – und ehe man sich versieht, hat man eine Leiche im Keller.»
«Die menschliche Seele ist ein Garten, in dem auch seltsame Gewächse gedeihen.»
Ingrid Nolls Schreibstil ist geprägt von einer feinen Ironie und einem oft schwarzen Humor. Sie erzählt unaufgeregt und präzise, oft aus der Perspektive ihrer weiblichen Protagonistinnen. Ihre Sprache ist zugänglich und schnörkellos, doch vermag sie es, tiefgründige psychologische Abgründe und gesellschaftliche Missstände mit leichter Hand zu skizzieren. Charakteristisch sind der scheinbar harmlose Erzählton, der das Grauen und die kriminellen Handlungen umso verstörender erscheinen lässt, sowie die detaillierte Darstellung bürgerlicher Milieus.