Günter Grass, geboren am 16. Oktober 1927 in Danzig (heute Gdańsk, Polen), war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und ein engagierter Intellektueller. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt vom Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg, Erfahrungen, die sein Werk tief beeinflussten und zur Grundlage seiner literarischen Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit wurden. Nach Kriegsende absolvierte er eine Lehre als Steinmetz und studierte Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin, was seine künstlerische Vielseitigkeit unterstrich. Sein literarischer Durchbruch gelang ihm 1959 mit dem Roman „Die Blechtrommel“, dem ersten Teil seiner international gefeierten „Danziger Trilogie“. Grass war nicht nur Schriftsteller, sondern auch ein streitbarer politischer Aktivist, der sich unermüdlich in die öffentlichen Debatten einmischte, insbesondere zur deutschen Wiedervereinigung und der Rolle Deutschlands in Europa. Er unterstützte über Jahrzehnte hinweg die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) und nutzte seine Stimme als moralische Instanz. Für sein Gesamtwerk, das von unverkennbarer Originalität und schonungsloser Gesellschaftskritik zeugt, wurde er 1999 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Seine späte Offenbarung über die Zugehörigkeit zur Waffen-SS in seiner Jugend löste 2006 eine landesweite Debatte aus. Grass starb am 13. April 2015 in Lübeck, Deutschland.
«Erst wenn ich die Geschichte, die ich erzählen will, nicht nur aufgeschrieben, sondern auch gezeichnet und aquarelliert habe, finde ich den eigentlichen Rhythmus.»
«Ich bin gegen jede Form von Nationalismus, die in sich die Gefahr von Krieg birgt.»
«Wer einmal gelogen hat, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.»
Grass' Schreibstil ist geprägt von einer opulenten, detailreichen Sprache, die oft Elemente des Magischen Realismus mit einer schonungslosen historischen und gesellschaftlichen Analyse verbindet. Er verwendete eine barocke Fülle an Metaphern, Symbolen und grotesken Übertreibungen. Sein Stil ist lebendig, satirisch und oft provokativ, gekennzeichnet durch eine meisterhafte Beherrschung der deutschen Sprache und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte in fesselnden Erzählsträngen darzustellen.