Im Deutschland des Jahres 2057 hat die sogenannte "Methode" ein totalitäres Gesundheitssystem etabliert, das das Leben jedes Bürgers minutiös überwacht und optimiert, um Krankheit und Unvernunft auszuschalten. Mia Holl, eine rationale Wissenschaftlerin, stürzt in tiefe Trauer und Verzweiflung, als ihr Bruder Moritz, der des Mordes beschuldigt wurde, sich im Gefängnis das Leben nimmt. Mia glaubt fest an seine Unschuld und verweigert fortan die strikten Gesundheitsauflagen der Methode, was sie schnell ins Visier der Staatsmacht bringt. Ihr persönliches Leid und ihr passiver Widerstand werden als eine Bedrohung für das Kollektiv und die Stabilität des Systems interpretiert. Getrieben von einem skrupellosen Staatsanwalt, wird Mia zum unfreiwilligen Symbol der Rebellion und zum Mittelpunkt eines aufsehenerregenden Schauprozesses. Juli Zeh entwirft ein beklemmendes Szenario, in dem Sicherheit und ein vermeintliches Wohl des Volkes über individuelle Freiheit und Menschlichkeit triumphieren, und wirft kritische Fragen über Überwachung, Paternalismus und die Natur der Autonomie auf.
Critical Reception
""Corpus Delicti" wird als ein intellektuell scharfsinniger und prophetischer Klassiker der zeitgenössischen deutschen Dystopie gefeiert."