Ein Klassentreffen, 25 Jahre nach dem Abitur, nimmt eine unerwartete Wendung, als Viktor Abravanel seine ehemaligen Mitschüler mit der unbequemen Nazi-Vergangenheit ihrer Lehrer konfrontiert. Dieser Eklat wird zum Startpunkt einer tiefgreifenden Reise in die Geschichte. Viktor, Nachfahre von Nazi-Opfern und Historiker für die Frühe Neuzeit, bereitet sich auf einen Vortrag über Spinozas Lehrer vor. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und die Parallelen zwischen dem Schicksal des vor der Inquisition geflüchteten Rabbiners Samuel Manasseh ben Israel und den eigenen biografischen Erfahrungen zwingen ihn zu der schmerzhaften Frage: Wer waren unsere Lehrer – und was hat uns das gelehrt? Robert Menasse verknüpft meisterhaft zwei Zeitebenen: die packende Gegenwartserzählung mit der historischen Rekonstruktion. Er zeigt auf, wie Biografien durch die Tragödien der Vorfahren geprägt sind und stellt die provokante These auf, dass wir aus der Geschichte, unserer ewigen Lehrerin, kaum Lehren ziehen. Ein komplexer Zeitroman über Erinnerung, Verantwortung und das ewige Ringen des Menschen mit seiner Vergangenheit.
Critical Reception
"Robert Menasses "Die Vertreibung aus der Hölle" gilt als ein intellektuell herausfordernder und stilistisch brillanter Roman, der die deutsche und europäische Geschichtsaufarbeitung auf provokante Weise hinterfragt und als bedeutender Beitrag zur Gegenwartsliteratur wahrgenommen wird."