Alice Miller (geb. 1923 in Lemberg, Polen, gest. 2010 in Saint-Rémy-de-Provence, Frankreich) war eine polnisch-schweizerische Psychoanalytikerin und Sachbuchautorin. Sie wurde bekannt durch ihre kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Erziehungsmethoden und der Verdrängung von Kindheitstraumata. Nach einem Studium der Philosophie, Psychologie und Soziologie in Łódź und einer Promotion in Basel praktizierte sie jahrzehntelang als Psychoanalytikerin. Ab den späten 1970er Jahren wandte sie sich von der orthodoxen Psychoanalyse ab und entwickelte eigene Theorien über die fatalen Folgen von Kindesmisshandlung und autoritärer Erziehung. Ihre Werke, wie "Das Drama des begabten Kindes" und "Am Anfang war Erziehung", wurden weltweit Bestseller und prägten maßgeblich das Verständnis für die Langzeitwirkungen von Trauma und Vernachlässigung auf die menschliche Psyche. Miller vertrat die Ansicht, dass viele psychische Erkrankungen und gesellschaftliche Probleme auf die verdrängten Erfahrungen einer leidvollen Kindheit zurückzuführen sind. Sie forderte eine radikale Neubesinnung auf die Bedürfnisse des Kindes.
«Die Seele eines Kindes, das geschlagen wird, bleibt traumatisiert – oft ein Leben lang.»
«Am Anfang war Erziehung – und sie hat meistens verheerende Folgen.»
«Die Aufgabe einer Therapie ist es nicht, die Schuld der Eltern zu finden, sondern dem Kind zu helfen, seine Wahrheit zu entdecken.»
Ihr Schreibstil ist direkt, klar und ungeschönt. Sie scheut sich nicht, kontroverse Thesen zu vertreten und etablierte psychologische und pädagogische Paradigmen in Frage zu stellen. Ihre Texte sind oft polemisch, aber stets fundiert und mit einer tiefen Empathie für das leidende Kind durchdrungen. Sie kombiniert Fallbeispiele mit theoretischen Überlegungen und macht komplexe psychologische Zusammenhänge für ein breites Publikum zugänglich.