Gabriele Tergit, geboren als Elise Hirschmann am 4. März 1894 in Berlin, war eine bedeutende deutsche Schriftstellerin und Journalistin der Weimarer Republik. Nach einer Ausbildung zur Stenotypistin studierte sie Geschichte und Kunstgeschichte, bevor sie sich dem Journalismus zuwandte. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin und Feuilletonistin für renommierte Zeitungen wie das "Berliner Tageblatt", wo sie mit scharfem Blick und präziser Sprache das Berliner Leben und die gesellschaftlichen Verhältnisse analysierte. Ihr erster großer Erfolg war der Roman "Käsebier erobert den Kurfürstendamm" (1931), eine Satire auf den Medienzirkus und den Aufstieg eines Schlagersängers. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste die jüdische Autorin 1933 emigrieren, zunächst nach Palästina, dann nach England, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Im Exil schrieb sie ihren Hauptroman "Effingers" (1951), eine Familiensaga, die das Schicksal des deutschen Judentums über mehrere Generationen hinweg schildert. Tergit geriet nach dem Krieg weitgehend in Vergessenheit, wurde aber in den 1970er Jahren wiederentdeckt und für ihre kritische Beobachtungsgabe und ihren modernen Stil gefeiert.
«Man hat sich gewöhnt, und daran ist alles kaputtgegangen.»
«Das Glück ist eine sehr zerbrechliche Sache, und man muss es mit großer Vorsicht behandeln.»
«Es gab immer nur zwei Sorten Menschen: die, die fragen, und die, die alles wissen.»
Gabriele Tergits Schreibstil zeichnet sich durch eine präzise, oft lapidare Sprache aus, die Elemente der Neuen Sachlichkeit und der Reportagekunst aufgreift. Sie kombiniert scharfe Beobachtungsgabe mit einem feinen, oft satirischen Humor. Ihre Prosa ist dicht, detailreich und von einer psychologischen Durchdringung ihrer Charaktere geprägt, ohne dabei sentimental zu werden. Sie vermittelt ein lebendiges Bild der gesellschaftlichen Zustände ihrer Zeit, insbesondere des Berliner Milieus, mit einer Mischung aus Empathie und kritischer Distanz.