Gustav René Hocke (1908–1985) war ein einflussreicher deutscher Essayist, Literaturkritiker, Kultur- und Kunsthistoriker. Geboren in Göttingen, prägte er maßgeblich das Verständnis des Manierismus in der Nachkriegszeit. Nach einer Tätigkeit als Journalist und seinem Kriegsdienst verbrachte er einen Großteil seines Lebens in Italien, wo er viele Jahre als Kulturkorrespondent für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ wirkte. Hocke wurde bekannt für seine umfassenden Studien zur europäischen Geistesgeschichte, insbesondere für die Wiederentdeckung und Neubewertung des Manierismus als eine eigenständige, „antiklassische“ Strömung. Er erweiterte den Begriff des Manierismus über die bildende Kunst hinaus auf Literatur und Philosophie und betonte die Kontinuität bestimmter ästhetischer Muster und intellektueller Haltungen durch verschiedene Epochen. Seine Werke untersuchten wiederkehrende Motive wie das Groteske, das Labyrinth und das Absurde. Hocke leistete einen wichtigen Beitrag zur Kulturwissenschaft, indem er traditionelle Periodisierungen hinterfragte und neue Perspektiven auf die Komplexität der europäischen Kulturgeschichte eröffnete.
«„Der Manierismus ist das Lächeln der Seele, das sich nicht in die klassische Form pressen lässt.“»
«„Jede Epoche träumt die vergangene auf ihre Weise, und in diesem Traum liegt die Vitalität der Kultur.“»
«„Die Kunst ist nicht die Nachahmung der Natur, sondern die Gestaltung einer zweiten Natur.“»
Hockes Schreibstil ist geprägt von einer tiefgreifenden Gelehrsamkeit und Interdisziplinarität. Er verband kunsthistorische Analysen mit literaturkritischen Betrachtungen, philosophischen Überlegungen und kulturgeschichtlichen Einordnungen. Seine Prosa war erudit, detailreich und präzise, oft polemisch und herausfordernd. Er zeichnete sich durch seine Fähigkeit aus, komplexe Zusammenhänge klar darzustellen und versteckte Muster sowie intellektuelle Verknüpfungen in der europäischen Kulturgeschichte aufzudecken.